< HOME

raumlaborberlin

raumlaborberlin wurde 1999 als interdisziplinäre Interessensgemeinschaft von Architekten und Künstlern gegründet, die projektbezogene Arbeitsgemeinschaften bildet, welche gemeinsame Ziele und Inhalte in der Architektur verfolgen. Zum Kernteam gehören Markus Bader, Benjamin Foerster-Baldenius, Andrea Hofmann, Jan Liesegang, Matthias Rick, die immer wieder neu ausloten, „was Architektur jenseits der Aneinanderreihung von Kisten zum Arbeiten, Wohnen und Schlafen noch sein kann" (Niklas Maack). Mit dem Küchenmonument reüssierten sie auf der Biennale Venedig 2006 und sorgten mit dem Gasthof Bergkristall im Palast der Republik für Furore. Neben ihren temporären Architekturen entwickelten sie Projekte für Kunstraum München, Kunstverein Heidelberg, dem ZKM und Kampnagel Hamburg und sind aktuell beteiligt an der Architektur Biennale in Venedig.fotos: max merz

/media/raumlabor/v3/1.jpg

Im Labyrinth der Musterwohnungen

Das Künstler- und Architektenkollektiv raumlaborberlin verschachtelt in der Torstrasse 166 zwei architektonische Idealtypen des Wohnens: In einer Gründerzeitwohnung wird 1:1 eine Plattenwohnung vom Typ P2 errichtet, eine Wohnung, wie sie in den Wohnblöcken von Halle-Neustadt zu finden ist. Die historisierende Wohnvorstellung aus der Kaiserzeit - die, schaut man nach Kreuzberg oder Prenzlauer Berg, ihr Revival noch nicht beendet hat - trifft auf die DDR-Großwohnsiedlungen aus den 1970er Jahren. Unter den hohen stuckverzierten Decken wird das Modell der Plattenwohnung aus den Türen der Abrisshäuser von Halle-Neustadt gebaut. Der Grundriss des Plattenbaus überlagert so den Grundriss des Gründerzeitbaus. Aus den Überschneidungen entstehen verwinkelte, labyrinthische Räume, die die Raumwahrnehmung verwirren und anregen. Das standardisierte Interieur (etwa die Schrankwand „Leipzig 4") setzt die P2-Musterwohnung in Szene.
Wer die ganze Spannbreite der bisherigen raumlabor-Projekte kennt - ein temporärer Berg im Palast der Republik, ein aufblasbares Zelt unter einer Autobahnzufahrt („Küchenmonument"), eine zaunlose Replik des G8-Tagungsortes Heiligendamm am Rostocker Hafenbecken, eine groß angelegte, öffentliche Opernaufführung in einem stillgelegten U-Bahnschacht -, weiß, dass sich bei der Verschachtelung zweier Wohnformen kein effekthascherischer Aktionismus austobt, sondern vielmehr der Versuch unternommen werden soll, architektonische Gestaltungsformen im Zusammenhang ihrer sozialen Bezüge zu sehen.
Mit ihrem Projekt in der Torstraße 166 zeigt das Architekten- und Künstlerkollektiv um Matthias Rick und Markus Bader eindrucksvoll, wie es ausgesehen hätte, wären städtebauliche Vorstellungen der Vergangenheit realisiert worden: Der Aufbau einer P2-Musterwohnung an dieser Stelle darf als exemplarisch für die in der DDR geplante Überformung und Erneuerung des Torstrassenkiezes mit einer Plattenbaustadt als Fortführung des „Platzes der Vereinten Nationen" gelten.

/media/raumlabor/0929/Raumlabor6566_pt.jpg/media/raumlabor/0929/Raumlabor6551_pt.jpg/media/raumlabor/0929/Raumlabor6564_pt.jpg
/media/raumlabor/v3/3.jpg/media/raumlabor/v3/2.jpg/media/raumlabor/v3/4.jpg/media/raumlabor/v3/5.jpg/media/raumlabor/v3/6.jpg/media/raumlabor/v3/7.jpg/media/raumlabor/v3/8.jpg/media/raumlabor/v3/9.jpg/media/raumlabor/v3/10.jpg/media/raumlabor/v3/11.jpg/media/raumlabor/v3/12.jpg